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Porn Film Festival Berlin 2021

Wir waren auf dem Porn Film Festival und haben beim Frühstück, Mittag- und Abendessen Pornos gesehen. Wir haben echte Intimität gesehen und viel über Sexualität, Gender und Feminismus gelernt. Hier sind unsere Einblicke in die Veranstaltung.
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Porn Film Festival Berlin - Eine Einführung

Das Porn Film Festival (PFF) ist das einzige seiner Art in Deutschland und wurde 2006 ins Leben gerufen. Gegründet wurde das Filmfestival von dem Filmemacher und Produzenten Jürgen Brüning. Heute wird es hauptsächlich von vier Personen, darunter Jürgen Brüning, Paulita Pappel, Manuela Kay und vielen Helfer:innen, geleitet. Die PFF finanziert sich hauptsächlich durch Sponsor:innen aus der ethischen Pornoindustrie, einschließlich CHEEX, der Sex- und der Queer-Community. Alle haben zusammengearbeitet, um die Veranstaltung ins Leben zu rufen. Es findet im Movimento und im Kino Babylon Kreuzberg statt, aber auch online.

Während der Woche werden durchschnittlich 100 verschiedene Filme, sowohl Kurz- als auch “lang” Filme, aus der ganzen Welt gezeigt. Die Filme werden in der Regel in OV gezeigt, mit englischen Untertiteln. Bei der Auswahl der Filme verwenden die Organisator:innen den kleinsten gemeinsamen Nenner der Sexualität, um die Filme auszuwählen, die sie am bewegendsten finden. Von Hardcore-Pornos über Dokumentarfilme bis hin zu Komödien ist für jeden Geschmack und für jede Fantasie ist etwas dabei. Die Themen der Filme drehen sich hauptsächlich um queere und feministische Perspektiven. Der Schwerpunkt liegt auf Sexualität, Geschlecht und Feminismus durch eine Linse, die von der der meisten Mainstream-Filme abweicht. Sexuelle Moral, Identitäten, Körpernormen und Geschlechterstereotypen aus der ganzen Welt werden in Frage gestellt und künstlerische Alternativen zur Mainstream-Pornografie werden vorgestellt. Neben den Filmen gibt es auch Podiumsdiskussionen, Fragerunden, Gespräche mit Produzent:innen und Darsteller:innen der Filme, Vorträge, Workshops und Lesungen. Das bedeutet, dass jedes Jahr eine Menge Leute aus verschiedenen Bereichen der Sexindustrie zusammenkommen, um ihre Gedanken auszutauschen. 

Auf der Website des PFF heißt es: “Von den 8.000 Zuschauern, die 2015 erreicht wurden, sind etwas mehr als die Hälfte weiblich, das Publikum ist heterosexuell, homosexuell, bisexuell, trans*sexuell und queer und mit fast 50 % der Besucher aus der ganzen Welt äußerst international.” Leider durfte das Festival im vergangenen Jahr nur in einer stark reduzierten Form stattfinden. Keiner der Darsteller:innen oder Produzent:innen der Filme konnte wegen der Pandemie kommen und nur die Hälfte der Tickets durfte verkauft werden. Für eine Veranstaltung, die von Gesprächen, Begegnungen und Körperkontakt lebt, war das ziemlich schwierig. Dennoch war es den Organisator:innen wichtig, das PFF nicht abzusagen, um die Sexualität zu feiern, in einer Zeit, in der Partys und Sexarbeit nicht erlaubt waren. Jetzt, da alles wieder offen ist und die Veranstaltung in vollem Umfang stattfinden konnte, war die Freude über das Wiedersehen größer denn je!

Mein Porn Film Festival-Erlebnis

Als ich im Moviemento-Kino, einem der ältesten Kinos in Europa, am Kottbusser Damm ankam, erwartete mich eine lange Schlange. Ich stellte mich hinten an und die Leute reihten sich schnell hinter mir ein. Ich war von einer positiven Atmosphäre umgeben, kleine Gruppen von Menschen unterhielten sich auf Englisch, Deutsch, Spanisch usw. und rauchten. Alle schienen sehr gespannt auf den Film zu sein, und es schien auch so, als wären viele nicht zum ersten Mal hier. Die Schlange bewegte sich langsam vorwärts (COVID-Kontrollen), und obwohl es schon nach der Anfangszeit des Films war, blieben alle entspannt. Als ich schließlich die gemütliche, warme Umgebung des Kinos erreichte, erhielt ich ein Armband, das mich als Teilnehmer:innen des Festivals auswies. Dann ließ ich mich in der letzten Reihe eines dicht gedrängten Saals nieder. Der Film hatte noch nicht begonnen und nach ein paar Minuten gaben die Organisator:innen der Veranstaltung eine kleine Einführung zum 16. PFF (da ich die Veranstaltungsreihe oben bereits vorgestellt habe, werde ich nicht noch einmal davon abweichen). Sie hatten eine humorvolle und einladende Einstellung und erklärten, dass es jeden Abend eine Afterlounge im Ficken3000 geben würde, mit freiem Eintritt für alle mit Armbändern.  Das Ficken3000 ist eine Queer-Bar, und bei der Vorstellung auf dem Festival hieß es, dass es in dieser Woche ein Raum sein würde, in dem Sexarbeiter:innen, Pornodarsteller:innen, BesucherLinnen und alle Interessierten tanzen, sich unter die Leute mischen oder in den Dunkelkammern Sex haben könnten. Ich war fasziniert von der Sexpositivität der ungezwungen Einladung. 

Dann wurde der Film Autlo vorgestellt. Es war das erste Mal, dass ein russischer Film das Festival eröffnete. Der Debütfilm von Ksenia Ratushnaya spielt in verschiedenen Zeiten und erforscht Geschlecht, Queerness, Sexualität und Gewalt. Mir persönlich hat die Auseinandersetzung mit dem Leben von Transsexuellen in der UdSSR und die Darstellung von Homophobie und Transphobie im heutigen Russland sehr gut gefallen. Es gab auch Elemente der Geschichte, die ziemlich intensiv und gewalttätig waren und mit denen ich nicht so viel anfangen konnte, aber der sichere Raum des bequemen Kinosessels und das Geräusch der Leute, die Popcorn naschen, während auf der Leinwand jemand ausgepeitscht wird, haben mich entspannt. Nachdem der Film zu Ende war, verließ ich den Kinosaal und spürte, dass der Film einen Eindruck bei mir hinterlassen hatte. 

In den nächsten Tagen schaute ich mir eine ganze Reihe von sehr unterschiedlichen Filmen an. Jedes Mal ging nach einer kurzen Einführung, entweder durch die Darsteller:innen, die Produzent:innen, die Regisseur:innen der Filme selbst oder durch die PFF-Veranstalter:innen, das Licht aus. Es gab ein paar kurze Werbetrailer von einigen der PFF-Sponsor:innen, und Menschen beim Sex auf der Leinwand zu beobachten, in einem Raum, in dem sich alle ruhig und leise unterhielten und auf das Kommende gespannt waren, war ein starker Kontrast zu dem, wie die Pornoszene normalerweise dargestellt wird, der bei mir hängen blieb. Während ich mir die Pornos anschaute, war es auch so, als würde ich mir eine Kunstausstellung ansehen. Allerdings muss ich sagen, dass ich bei einigen Filmen eine Art Trigger-Warnung im Vorfeld sehr zu schätzen gewusst hätte (ja, es ist ein Pornofilmfestival, aber auf bestimmte Gewaltszenen war ich trotzdem nicht vorbereitet). Wie auch immer, jedes Mal, wenn ich das Kino verließ, hatte ich das prickelnde Gefühl, dass die Filme wirklich etwas bewirkt haben, und ich habe viel über sie nachgedacht.

Ich muss sagen, dass der Dokumentarfilm As I Want mein Lieblingsfilm in dieser Woche war. Es war ein Dokumentarfilm der aus Palästina stammenden Ägypterin Samaher Alqadi über die sexuellen Übergriffe während der Demonstrationen auf dem Kairoer Tahrir-Platz im Jahr 2013 und die allgemeine Behandlung von Frauen in Ägypten während dieser Zeit. Die Filmemacherin selbst spielt in dem Film die Hauptrolle, ebenso wie ihre Freunde und Familie. Zwischen den Szenen des Widerstands gegen ein unterdrückendes patriarchalisches Regime, einer Bewegung, die hauptsächlich von Frauen angeführt wird, gibt es auch sehr intime Szenen, in denen sie über ihre Erziehung nachdenkt und mit ihrem Bauch, ihrem ungeborenen Sohn, über die Welt spricht, in die er eintritt, und darüber, was für ein Mann er werden sollte. Ein ermutigender Film, mit dem Hinweis der Macherin, dass Frauen alles erreichen können. 

Am Ende der Woche hatte ich ein paar Leute kennengelernt, die wegen des Festivals in der Stadt waren, und wir gingen gemeinsam zur Afterparty von Ficken3000. Da wir ein Armband vom PFF hatten, konnten wir umsonst rein. Der Raum war ziemlich dunkel und voll, hatte aber eine noch offenere Atmosphäre als das Festival selbst. Im Hintergrund des Raumes war eine Leinwand angebracht, auf der Schwulen Pornos aus den 60er Jahren (in schwarz-weiß) liefen. Einige Leute tanzten zu Techno-Beats, andere setzten sich in kleinen Gruppen zusammen und unterhielten sich, und wieder andere gingen nach unten, um den Darkroom für Männer zu erkunden. Darunter waren auch Prominente aus der Szene wie Pornostars und Sexarbeiter:innen. Es war unglaublich, in einer so sexpositiven Gegend und auf einer Party zu sein, die alle negativen Stereotypen über die Porno Industrie widerlegte. Ich kann euch nur empfehlen, nächstes Jahr dabei zu sein und das PFF zu unterstützen! 🙂

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