Eine neue Dimension des Sex? Kinky Parties

Sexualität mit Vielen teilen. Ist das eine Fantasie von dir? Sich auf einem Bett dem Kuddelmuddel vieler Körper hinzugeben? Oder vielleicht ganz lasziv ausgehen und sich den anderen zu präsentieren? Mittlerweile gibt es ja eine Vielzahl an Kinky Partys zwischen denen man sich entscheiden kann Kinky Partys zu gehen! Eine von vielen? Na, zumindest in Berlin! Denn hier findet man allein durch Googeln auf Anhieb ein Dutzend im Angebot. Eine Qual der Wahl, die in Städten wie München oder Frankfurt einfacher fällt – wegen des schmalen Angebots. Aber ob es deshalb in Berlin besser ist, das soll auch Gegenstand dieser kleinen Einführung in die Welt der Kinky Partys sein. Wo finde ich Kinky Partys? Was kann ich davon erwarten? Und was ziehe ich an, beziehungsweise aus?

Wo finde ich Kinky Partys

Fangen wir mal mit Berlin an. Berlin ist ein besonderer Ort; Berlin ist aber auch ein spezieller Ort, also “speziell” in der Hinsicht, dass man manchmal den Eigendynamiken von Menschen, Gruppen und Szenen etwas mit Erstaunen gegenübersteht. Berlin beinhaltet die Ambivalenz von Euphorie von, was alles möglich zu sein scheint, und den daraus erwachsenen Eigenheiten: Es stellt den Einzelnen auf die Empore und feiert sich und das Individuum; Berlin kann aber Einzelne auch verschlucken, in einen Sog des Rausches geraten lassen. Was meine ich damit? Es gibt wie in keiner weiteren deutschsprachigen Stadt eine Fülle an Clubs, die wie das Kitkat oder Insomnia teils explizit für sexuell freizügige Partys werben, für andere Clubs wie das Berghain oder ://about blank wird das einfach implizit vorausgesetzt. Es herrscht hier aber auch eine Vermischung von Sex und Drogen, die ich zunehmend skeptisch betrachte. Klar, es gibt einen besonderen Kick. Aber dient der Rausch auf den Partys nicht meist dazu, die Leute zu enthemmen, ihnen Hemmungen zu nehmen, die sie sonst nicht ablegen könnten? Wer auch tagsüber clean und enthemmt sein kann – der steht bei mir hoch im Kurs.

Kinky Partys sind aber nicht ausschließlich aus der Technoszene hervorgegangen. Die in 2002 gegründete und seitdem stark expandierende Sexplattform Joyclub hat über 2 Millionen Mitglieder im deutschsprachigen Raum. Hier hat sich eine ganz eigene Szene an Veranstalter*innen um das Forum gebildet, die speziell für dieses, meist heterosexuell geprägte Publikum Partys kreiert: von „Eyes Wide Shut“-Partys auf Schlössern, bis hin zu professionellen „Privatfeiern“ in schicken Penthäusern. Und die “authentischen”, dort inserierten Privatpartys sollte man auf jeden Fall nicht vergessen: Zahllose Menschen richten ganze Wohnungen nur für ihre privaten Orgien her. Und hier sprechen wir jetzt gar nicht mehr nur über Berlin und diverse Wohnungen in Neukölln oder Charlottenburg, sondern den gesamten deutschsprachigen Raum. Ich persönlich empfand diesen „privateren“ Einstieg in Partys mit 20-30 Leuten meist angenehmer als auf Massenevents zu gehen- das ist natürlich auch Geschmackssache. Die Auswahl an sex-positiven Menschen ist im Kitkat* sicher größer. Und der Druck, dann  auch sexuell aktiv zu werden, geringer: Man kann ja auch erstmal nur beobachten.

Was kann ich von Sex Partys erwarten?

Den Partner fürs Leben finden? Haha. Was schon auf Dating-Apps einigermaßen absurd erscheint, klingt im Kontext von Kinky Partys schon anmaßend. Ähnlich verhält es sich mit der Erwartung den größten sexuellen Kick seine Lebens zu erlebe. Wie bei anderen Partys auch, wird es dann gut, wenn man es nicht erwartet – finde ich.

Bei Sexpartys geht es ums Teilen von Sexualität, sexuelle Kommunikation, erotisches Spiel und wahrscheinlich, um einiges intensiver als auf „normalen Partys“, dem Anbahnen mit neuen Spielpartner*innen. Das Schöne ist, man kann sich direkt vor Ort mit- und aneinander austesten. Manche treibt auch ein spezieller Fetisch, der mehrere Menschen ins Spiel inkludiert, auf die Party. Das Spannende, aber vielleicht auch manchmal Erlahmende an großen Kinky Partys ist die Gleichzeitigkeit so vieler verschiedener Gelüste und Begehren. Toleranz und ein Miteinander werden gefeiert. Das ist reizvoll, manchmal auch überfordernd, und ganz manchmal auch so, dass man sich nicht mehr aufgehoben fühlt. Deshalb haben viele Veranstalter*innen beschlossen, spezifische Partys anzubieten, was aber wenn es nicht um spezielle Fetische wie Männerüberschuss, dominierende Frauen oder Natursekt geht, teils obskure Züge annehmen kann. Es gibt tatsächlich Partys für „beautiful people“, denn die hässlichen möchte man ja nicht. Und „big black cock“-Partys gibt es leider auch. Hier kapiert man: Sexualität ist leider nicht einfach nur offen und frei flottierendes Ding, sondern einfach auch ein soziales und kulturelles Kapital, teils wahnsinnig exkludierend und hierarchisch, woran Kinky Partys als Lifestyle, so wie sie im letzten Jahrzehnt entstanden sind, sicherlich einen nicht unerheblichen Anteil haben.

An dieser Stelle kann ich von meinem Versuch, eine eigene Party zu veranstalten erzählen. BI OPEN hieß sie und lud von 2016 bis 2018 allmonatlich in die Metropol-Sauna ein, eine der Schwulensaunen der Stadt. Aber anstatt dem normalen Prozedere einer Männersauna war es an den BI OPEN-Tagen möglich, dass die Saune “open for all” war, also auch Frauen* oder Trans-Personen. Die Abende bewegten sich irgendwo zwischen Tanzfläche und DJ, Whirlpool und Saunaaufgüssen sowie dem Verlustieren in den Playrooms. Das Publikum war super divers, von jungen Leuten aus der Kunstszene, vielen bisexuellen Männern, die endlich einen Ort zum Kennenlernen und Austausch gefunden hatten, alten Swingerpärchen, Leute, die einfach zum Feiern und Kennenlernen kamen und andere auf der Jagd nach der höchsten Ekstase. Wichtig für den Zusammenhalt der Party: Am Ende gab es immer die kommunikative Bar, den Raucherraum, in dem sich alle trafen und plauderten. Und noch wichtiger: Alle waren nackt. Eine Sauna eben, mit Handtüchern und Bademänteln oder eben ohne. Es gab kein Kostüm, das die eine Person von der anderen unterschieden hätte. Womit wir beim nächsten Thema wären…

Was ziehe ich an und wann aus?

Ein schwieriges Thema, denn die Maßstäbe auf Kinky Partys, wenn sie nicht gerade in einer Saunalandschaft stattfinden, setzen hoch an und es scheint manchmal um nichts anderes zu gehen als das einfallsreichste, most sexy Kostüm auszutragen. Ich habe immer gute Erfahrungen damit gemacht, nicht ausschließlich auf ein hochwertiges Kostüm, das speziell für Kinky Partys geschneidert wird, zu setzen, sondern mit der Garderobe und Accessoires aus meinem Kleiderschrank zu spielen: Boots, Slip und einen fetten Ledermantel drüber? Oder wie wäre es, sich zumindest für einen Teil des Abends komplett oder zu Teilen in Klarsichtfolie einzuwickeln und dazu etwas Makeup?

Nun zum Ausziehen: Hier kommen wir wohl zum wichtigsten Thema: Mit wem lasse ich mich wie, wann, wo ein? Ich fasse mich an dieser Stelle kurz, denn das ist wohl ein Thema für einen weiteren Text. Wer sind meine Gleichgesinnten? Wahrscheinlich sind die, die wie ich zwar gerne und immer vögeln, menschlich gar nicht mein Ding? Kinky Partys, davon sollte man besser ausgehen, versprechen zwar manchmal die Ekstase und andere Dinge, aber sehr große Erwartungen solltest du auch nicht nicht haben. Der eigene Sex wird vor Ort wahrscheinlich nicht besser. Und offener sind die Menschen meiner Meinung nach am Ende auch nicht. Die Haltung zählt. Ich denke keine Erwartungen zu haben und dadurch keine Enttäuschungen zu erleben verspricht oft die größten Überraschungen!

* Diese Formulierung passiert mit Vorbehalt. Aufgrund von Corona stehen Clubs wie das Kitkat kurz vor dem Aus. Und wie eine Kinky Party mit Abstand und Mundschutz stattfinden soll, steht auch in den Sternen.

Wenn Du mal nach Inspiration suchst, dann schau Dir einfach ein paar Videos an, zum Beispiel unter der Kategorie “kinky” oder “intense”.

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