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BDSM für Einsteiger: Wie Sex mit Hierarchie haben?

Wie starte ich meine erste BDSM-Session? Pascal Schaefers, der seit zehn Jahren als Escort arbeitet, gibt einen Einstieg in eine Welt des hierarchischen Sex.

Ein Einsteiger-Ratgeber für BDSM-Praktiken, dem weiten Feld des Bondage, Discipline, Dominance and Submission sowie Sadism and Masochism? Als Escort, der nun seit über zehn Jahren Kunden und Kundinnen mit der Erfüllung ihrer sexuellen Wünsche und Fantasien betraut ist, musste ich bei dem Themenvorschlag direkt an den beziehungs- und sexneurotischen Beststeller „Fifty Shades of Grey“ denken. Ein Buch, an dem sich meiner Meinung nach viele Menschen in den letzten Jahren ein eher schräges Bild eines „SM-Verhältnisses“ gemacht haben. Das Buch erzählt in Wahrheit: Die sexuelle Unterwerfung ist immer auch die reale Unterwerfung unter die Fittiche eines Mannes, Patriarchat pur! Und ich füge hinzu: Handschellen sollten kein Gadget sein, mit dem man sich kurz mal den langweiligen Sex aufpeppt. Was würde ein Michel Foucault dazu sagen, der in seinem berühmten Interview mit einer Frankfurter Studierendenzeitschrift  Sex mit Hierarchien und Gewalt als einen Moment der Befreiung, der Transzendenz der uns alltäglich umgebenden Machtstrukturen gesehen hat. Sex mit Hierarchien und Gewalt wird bei ihm mit Lust besetzt, um mit  realen Hierarchien um uns herum zu spielen, sie anders zu begreifen und damit auch im Nachhinein ihnen anders zu begegnen: Sex als eine Form der (Selbst-)Erkenntnis. Sex auch als ein Ort, um sich auszuprobieren, denn im realen Leben würden viele wohl nie auf die Idee kommen ihr Gegenüber zu fesseln, zu ohrfeigen oder gar zu würgen – aber im sexuellen Spiel? Da kann man es ausprobieren.

Die Wahl deiner Partner*innen 

Der wichtigste Faktor hierfür ist wohl das Gegenüber, die andere Person, mit der man sich auf das Spiel einlässt – wenn sie sich auch einlassen möchte! Denn das häufigste Problem, weswegen viele Menschen gar nicht in den Genuss von BDSM-Spielen kommen, ist meiner Erfahrung nach der fehlende Mut oder das fehlenden Vertrauen zu ihrem Gegenüber, die Angst vor der Ablehnung, weil man für die eigenen Fantasien (sei es nur der erregende Gedanke mit 14 Jahren an den Marterpfahl gebunden zu sein) verurteilt werden könnte. Nicht nur deshalb kann es da manchmal Sinn machen, erste Schritte in Richtung BDSM mit einer neuen, neutralen Person zu gehen – einer Person, mit der es keine Vorbelastung gibt, mit der man von Anfang an über sexuelle Vorlieben und Fantasien im Gespräch war und wodurch es einfacher fällt, sich zu öffnen. Oder mit einem Escort. 😉

Was fällt nun alles unter BSDM? 

Aber was kann man sich unter BDSM eigentlich vorstellen? Einfach gesagt sind es allesamt sexuelle Praktiken, die mal mehr psychologisch, mal mehr körperlich mit Hierarchien spielen – also dem Spiel zwischen einem eher dominanten, handlungsanweisenden Part und einem eher devoten, handlungsfolgenden Part. Ein übliches Bild ist das des Sklaven oder Sklavin, über den die andere Person in einem gewissen Rahmen von Raum und Zeit „verfügt“ – sei es über Geist, Körper, Geld, was auch immer. Die Spielarten sind so vielfältig, das lässt sich hier kaum in einem Artikel zusammenfassen. Wichtig ist wohl, am Anfang den eigenen Fantasien zu folgen, sie im Kopf durchzuspielen und mit dem/der potentiellen Spielpartner*in zu besprechen: Sei es ein Rollenspiel mit bestimmten fetischisierten Berufsgruppen wie der Doktorin, dem Lehrer oder einem Leutnant. Oder das Fixieren des Körpers, so dass die Person weniger Handlunsgraum hat und ausgeliefert ist. Die Ideen hierfür können schon beim noch kuscheligen Sex durchs Aussprechen und zusammen gedanklich Weiterentwickeln Teil des Spiels werden. Manchmal bleibt es vielleicht auch beim Fantasieren, und das ist auch gut so. Nicht jede Fantasie muss realisiert werden: Ob der heiße Gedanke, dass man in einem Gangbang von vielen fremden Menschen durchgevögelt und benutzt wird, auch in Wirklichkeit den gleichen Turn-On bedeutet – who knows!? Ich würde erstmal klein anfangen.

Wie also die erste Session starten?

Wenn du dich nach den Gesprächen, ob am Küchentisch oder beim Sex mit deinem/r Spielpartner*in sicher fühlst (Kommunikation ist alles!) und du eine Idee davon hast, was dir Lust bereiten könnte und du vielleicht erst einmal ein paar Sachen, Situationen ausprobieren möchtest, dann bereitet euch in dem Sinne vor, dass ihr wirklich Zeit und Muße habt, euch auf etwas Neues einzulassen. Manche praktizierende BDSMler nennen den „Raum“, in den sie dann kopfmäßig gehen, den Head- oder Deep Space. Ein Raum, in dem fortan neue Regeln und Gesetze herrschen: „Du gibst dich mir hin“ und andersrum „Ich gebe mich dir hin“. Die Frage ist nun, wie kommt man in diesen Space hinein. Natürlich, mit freiem Kopf, und vielleicht ein paar Worten oder körperlichen Aktionen, die die neuen Regeln manifestieren. Sei es durch einfache Sätze wie “Gib dich mir hin” oder “Du bist jetzt mein”, die dann die unterlegene Person gerne aus Ich-Perspektive wiederholen soll, oder der bestimmte, aber empfindsame Griff in den Nacken. Wichtig ist dabei, stets zu schauen, dass die Dinge, die man tut, mit Lust besetzt sind. Manchmal kann es etwas dauern bis man in die neue Welt eintaucht, manchmal muss man einfach mal ausprobieren und machen – und vielleicht kommt am Ende was ganz anderes raus, als man gedacht hat. Es ist ja ganz normal, dass die Dinge erstmal nicht klappen, sei geduldig, ehrlich und bestenfalls weiter horny. Manchmal verliert man sich wunderbar in vier langen Stunden und manchmal ist es nach 2 Minuten schon vorbei. Auch das passiert mir immer noch häufig…

Und zum Schluss noch eine kleine Story aus dem Arbeitsleben:

Als Escort buchen mich meine Kundinnen und Kunden manchmal für BDSM-Spiele. Meist mit mir in der dominanten Position, denn das ist das, was ich kenne und was ich primär begehre; also jemanden sexuell zu benutzen. Irgendwann gab es aber auch mal die Anfrage, ob ich mich jemandem unterwerfen möchte. Im Speziellen, ob die Person sich an meinem Kehlkopf durch das Inszenieren von Strangulationsszenarien (ohne je wirklich zu würgen) verlustieren kann. Das war neu für mich, aber ich dachte, die Person besitzt schon solch eine feine und ausdifferenzierte Kultur für ihren Fetisch, ich will es ausprobieren, vielleicht führt mich diese Person, das erste Mal in den Head Space eines Submissiven. Und so war es dann auch: Nach dem zweiten Treffen fing es an, dass seine Berührungen mich selbst immens erregt haben, denn er wusste, was er tut, wie es mir dabei ergeht und das Wichtigste, wie darauf zu reagieren ist. Und Schwupps, konnte ich ein neues, spezifisches Spiel mein Eigen nennen. Ob das Spiel nur mit dieser Person so funktioniert oder doch auch mit anderen – das muss sich noch durch Ausprobieren rausstellen.

Wenn du mal nach Inspiration suchst, nach Szenarien, Techniken, Worten, dann schau dir einfach ein paar Videos an, zum Beispiel unter der Kategorie “kinky” oder “intense”. Manchmal kriegt man auch den Einstieg übers Nachspielen. Einen guten Einstieg gibt auch die SexSchool mit ihrem BDSM Tutorial

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