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Pornokonsum: Warum wir uns nicht schämen sollten

Die meisten von uns schämen sich für’s Pornoschauen. Doch warum eigentlich? Wir suchen bei Psychologen und Wissenschaftlern nach Erklärungen und stellen fest: Die Scham ist unbegründet.
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Warum schämen wir unseren Pornokonsum? 

Ja, wir schauen gerne Pornos, aber kaum ist es vorbei fühlen wir uns irgendwie…schlecht. Damit sind wir scheinbar nicht alleine. Viele Menschen schämen sich für’s Porno gucken und das aus ganz unterschiedlichen Gründen: Einige lässt die Wahl ihrer Porno-Vorlieben ihre moralischen Werte hinterfragen, andere können Pornos nicht mit ihrer feministischen Einstellung vereinbaren. Die Frage ist nur: sollten wir uns alle schlecht fühlen? 

Generell ist Sex oft immer noch mit Scham verbunden – kein Wunder also, dass die Visualisierung von Sex in vielen von uns Schamgefühle auslöst. Doch nicht nur das führt zur Pornoscham. Sexarbeiter*innen werden durch die dunklen Seiten der Industrie stigmatisiert. Jemand der Sex sichtlich genießt – und Geld dafür nimmt – wird schnell der “Schmuddel”-Kategorie zugeordnet. Und das, obwohl jedes Jahr Milliarden Menschen Pornos, und damit Sexarbeit, aktiv konsumieren.

Nur weil Pornografie weit verbreitet ist, heißt das natürlich nicht, dass alle einen gesunden Umgang damit pflegen. Oft sind es Männer mit wenig “echter” sexueller Erfahrung, die den Kontakt zu Frauen im wahren Leben vermeiden und ihre sexuelle Befriedigung in Pornos suchen. Findet der Porno-Konsum vor allem in Isolation statt, also ohne sich darüber auszutauschen oder sexuelle Erfahrungen mit echten Partner*innen zu machen, kann Sex schnell als etwas rein mechanisches, Zweck erfüllendes wahrgenommen werden. Darüber hinaus werden in vielen gängigen Hetero Mainstream Filmen die Bedürfnisse der Frau weitgehend ignoriert, was bei Männern in der künftigen Partnersuche zu extrem verzerrten Vorstellungen führen kann. 

Die Lösung für eben diese Männer und im Grunde jeden, der Pornos konsumiert: Kritisch sein. Erotische Filme werden geskriptet, ausgeleuchtet und nachbearbeitet, genauso wie es bei Actionfilmen üblich ist – und da versucht man beim zusehen auch nicht Wolverine nachzuahmen. Das gleiche Prinzip gilt für Pornos. 

Wie bei vielem gilt auch bei erotischen Inhalten: Die Dosis macht das Gift. Können Pornos ungesund sein? Ja, genauso wie Spinat, Geld und Sport. Das meiste wird ungesund, wenn es im Übermaß oder mit der falschen Einstellung betrieben wird. Ist es deshalb direkt eine Sucht?

Dr. Jess O’Reilly, Psychologin und Podcasterin bei ‘SexWithDrJess’ meint: “Nein. Pornos können in jedem Fall verlockend sein und in manchen Fällen von Sex im echten Leben ablenken, aber das Phänomen der ‘Pornosucht’ ist oft nur eine Ausrede, um sich der eigenen Verantwortung zu entziehen.” Darüber hinaus, so Dr. O’Reilly,  ist Pornografie so allgegenwärtig – wäre sie tatsächlich schädlich, sähe man deutlich mehr negative gesellschaftliche Auswirkungen. Doch seitdem der Zugang zu Pornos so einfach wie nie zuvor ist, lässt sich eine sinkende Zahl der Gewaltverbrechen sowie Scheidungsraten beobachten. “Ich sage nicht, dass Porno für diese Trends verantwortlich ist, aber wir sehen definitiv eine Korrelation”, so Dr. O’Reilly.

Ein weiterer wichtiger Faktor, der zu unserer Pornoscham beiträgt, ist die Diskrepanz zwischen Fantasien und unseren tatsächlichen sexuellen Bedürfnissen. Feministinnen, die der Gedanke an Vergewaltigung anturnt und erfolgreiche Geschäftsmänner, die sich gerne versohlen lassen, finden sich so häufig, dass sie mittlerweile zum Klischee geworden sind. Pornos sind Fantasiegebilde wie andere Filme und als solches sollten sie gesehen werden. Trotzdem schämen sich so viele von uns für den Konsum  stimulierender Inhalte.

Soviel also zu Scham und dem ungesunden Aspekt des Pornos. Aber: Haben stimulierende Inhalte auch positive Effekte? “Definitiv!”, sagt Dr. O’Reilly “Vor allem für Paare sind Filme eine gute Möglichkeit, über Sex und Fantasien zu sprechen. Auch über Themen die ihnen sonst immer unangenehm waren. Pornos mit unseren Partner*innen zu schauen kann gleichzeitig seltsam und aufregend sein und genau diese Balance bringt oft die interessantesten Gesprächsthemen hervor. Wenn euch etwas unangenehm ist, gebt es ehrlich zu. Sagt euren Partner*innen, was genau euch die Schamesröte ins Gesicht treibt: Ist es der Akt an sich, die Performer*innen oder die ganze Szene? Wenn euch etwas besonders anmacht, nutzt die Gelegenheit, eure*n Partner*in daran teilhaben zu lassen; war es die Musik, das Licht, die Position oder die Darsteller*innen? Euer Sexleben wird in jedem Fall davon bereichert, die Vorlieben des Gegenübers besser kennenzulernen.”

Letztendlich geht es bei Pornografie um sexuelle Fantasie und Fantasie an sich kennt keine Scham. Solange unser Pornokonsum keinen anderen Bereich unseres Lebens negativ beeinflusst, gibt es keinen Grund, sich dafür zu schämen. Lasst euch inspirieren und genießt die wundervolle Welt der Sexualität auf eure Art und Weise. 

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