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Warum wird Frauen im Porno ins Gesicht ejakuliert?

“Moneyshot” oder “Cumshot”, der klassische Heteroporno folgt einer klaren Choreografie, die meist damit endet, dass dem weiblichen Part ins Gesicht ejakuliert wird. Ist es wirklich eine reine Geste der Machtdemonstration oder steckt noch mehr dahinter?
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Es mag, nun ja, ein wenig weit hergeholt sein, die Frage danach, mit Adorno beantworten zu wollen. Aber es ist ein günstiger Ansatz, um sich dem Phänomen von einer intellektuell-bürgerlichen Seite zu nähern und den Porno so aus seiner sogenannten “Schmuddelecke” zu holen. Dem Verschämten begegnet man mit handfester Philosophie.

Die Annäherung erfolgt über die vermeintliche und stets nachzuweisende Echtheit, auf die es im Porno ankommt, die ihren Beweis im stolzen Präsentieren des Ejakulats findet. 

Zur Echtheit sagt Theodor W. Adorno nämlich Folgendes: 

„Unter den Begriffen, in welche die bürgerliche Moral nach der Auflösung ihrer religiösen und der Formalisierung ihrer autonomen Normen sich zusammenzieht, rangiert Echtheit obenan.”

(Adorno 2003: 173)

Echtheit also als letzter verlässlicher Anhaltspunkt, wenn die Normen und Werte einer bekannten Welt sich auflösen. Und was könnte besser die Echtheit des Porno beweisen als das Ejakulat. 

Der erste Impuls zu sagen das “ Ins Gesicht ejakulieren”, hätte etwas mit der Erniedrigung der Frau durch den Mann zu tun, mag vielleicht ein Teilaspekt sein, ist aber sicherlich nicht die einzige Erklärung, wenn man das Phänomen umkreist. Denn liest man den Akt lediglich als Erniedrigung, dann ist das Ejakulat etwas Dreckiges und die Frau damit beschmutzt. Der Gedanke, dass eine Frau durch einvernehmlichen Sex, egal wie der aussieht, beschmutzt werden könnte, ist nun allerdings wirklich kein besonders fortschrittlicher oder einer der Frauen eine eigene Art der Lust und des Wollens zusprechen würde. 

Denn und das ist das Spannende an der Welt der Pornografie: Sie ist ein sicherer Ort. Einer an dem Phantasien so nah an der Realität, wie nur irgend möglich ausgelebt werden können. Weil Phantasien, und auch das dürfte hinlänglich bekannt sein, eben absolut nicht erst dann befriedigt sind, wenn sie erfüllt werden. Im Gegenteil, nur weil jemand die Phantasie hegt beispielsweise mit vielen Männern gleichzeitig in einem sogenannten “Gangbang” zu schlafen, muss derjenige das noch wirklich sehr lange nicht, auch in der Realität umsetzen wollen. 

Nun ist die Grundvoraussetzung des Porno, dass alles, was dort passiert echt ist. Es geht darum, dass dort zwei Menschen in echt miteinander Sex haben, dass man Penis und Vulva sehen kann, dass man Polöcher sieht, Schweiß und Körperfalten. Als krönenden Abschluss und absoluten Beweis der Echtheit der ganzen Angelegenheit: Das Ejakulat. Dramaturgischer und physischer Höhepunkt sind also gleichzeitig auch Endpunkt der Erzählung. Denn mit dem männlichen Orgasmus ist der klassische Heteroporno meist vorbei und wo bei einer traditionellen Dramenstruktur nach dem Höhepunkt die Wandlung der Geschichte erfolgt, löst sich der Porno in Wohlgefallen auf. Das Narrativ wandert von Höhepunkt zu Höhepunkt. 

 

Doch warum landet der Höhepunkt zuverlässig immer wieder im Gesicht der Frau? Dass ein Mann sich selbst oder seine Umgebung als Leinwand für diese Jackson Pollock-artigen Action Paintings nutzen würde kommt, zumindest im Heteroporno, eigentlich nicht vor, und auch, dass der Mann in der Frau kommt, scheint nicht vorgesehen. Man würde dem Publikum etwas vorenthalten. 

Im klassischen Porno sind die Körper glatt, die Polöcher gebleicht, Penisse beschnitten und nirgendwo gibt es auch nur ein Haar. Elegant wie Turner und schnaufend wie Boxer vollführen die Darsteller einen sportlich höchst anspruchsvollen Reigen. In diesem Setting, das oft eher an ein Fitnessstudio erinnert als an das dunkle erotische Dickicht, in dem sich die Realität bewegt, ist das frei herumfliegende Ejakulat vielleicht auch ein letzter anarchischer Gruß einer Kraft, die sich nicht einfangen und reglementieren lässt.

In einer Welt, die Kontrolle über Körper als Ästhetik verkauft, muss man den freien Schuss vermutlich als letzte Bastion des unerklärlichen Mysteriums des menschlichen Körpers verstehen. Außerdem vermittelt das ins Gesicht kommen ein Gefühl davon angenommen zu sein. Denn wenn man seiner Partnerin verschämt auf den Rücken oder die Brüste kommt, dann hat das eine andere Wirkmacht, als das Gesicht. Das Gesicht ist verletzlich, über seine Öffnungen stecken wir uns mit Krankheiten an, tauschen nonverbale Informationen aus, sprechen und stehen mit der Welt in Kontakt.

Momentan decken wir das Gesicht mit Masken ab, um uns und unsere Umwelt zu schützen. Damit wird uns auch bewusst, wie sehr wir über das Gesicht kommunizieren. Nur die Augen zu sehen reicht nicht aus, um sein Gegenüber zu lesen. Und so ist die Geste des Spermas, das in ein Gesicht fliegt, auch ein Akt der absoluten Hingabe an den Partner und eine, die starkes Vertrauen erfordert und vielleicht gerade deswegen für viele erotisch besetzt ist. 

Weil der Porno, wie man ihn bislang kannte, eher an eine sportliche Leistung als an realen Sex denken lässt, scheint er wie der Kaffee ohne Koffein oder die Butter ohne Fett, seiner eigentlichen Substanz beraubt, wie der Philosoph Jean Baudrillard es in seiner Theorie der Hyperrealität beschreibt, die immer wieder gern zur Ausdeutung des Zustandes der bilderfixierten Medien- und Informationsgesellschaft verwendet wird. Das Sperma ist in diesem Fall das einzige, das den Film noch in einer realen, einer menschlichen Welt verankert, denn ohne Sperma, könnten da auch zwei Sexroboter interagieren. Das Sperma suggeriert Menschlichkeit. 

Baudrillard erklärt die Welt als Reality Show, die ihre Essenz verloren hat und nunmehr aus Chiffren besteht. Als eine solche kann dann auch das Sperma gelesen werden. Eine Chiffre für Menschlichkeit, für Freiheit und ein letzter Gruß aus einer Welt, in der Körper trotz aller Selbstoptimierung immer noch seltsam bis beizeiten eklig sind und wir sie trotzdem oder gerade deswegen spannend und ja, auch erotisch finden.

In einer Welt, die sich immer mehr vom Körper entfernt und die vielleicht schon bald von künstlichen Intelligenzen, Firmen bei denen social freezing zur Norm gehört und komplett kontrollierten Smart Cities, belebt wird, ist das frei herumgejauchzte Sekret vielleicht ein letztes Aufbäumen einer langsam verschwindenden Anarchie der Körper.  

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