Meine Top 3 Insights aus unserer Lust & Libido Masterclass

Sex ist überall. In Serien, Werbung und Popkultur ist er omnipräsent. Gleichzeitig haben wir bis heute nicht wirklich gelernt, wie wir angemessen darüber sprechen. Vor allem dann nicht, wenn es um den eigenen Sex, die eigene Sexualität oder die eigene Lust geht.

Es scheint oft leichter, über Datinggeschichten oder peinliche Sex-Momente zu lachen, als offen auszusprechen, was man sich beim Sex wirklich wünscht. Selbst in langjährigen Partner*innenschaften bleibt das Thema häufig erstaunlich vage. Gefühle wie Scham oder die Angst, das Gegenüber zu verletzen, stehen offenen Gesprächen im Weg. Und irgendwo im Hinterkopf wirkt das Bild aus Film und Fernsehen nach, in dem Sex ganz ohne Kommunikation zu funktionieren scheint.

Wie Lust entsteht, welche Faktoren sie beeinflussen und wie wir besser über unsere eigenen Bedürfnisse sprechen können, das thematisiert Sensuality Coach und Expertin Cleo King in der CHEEX Lust-&-Libido-Masterclass. Drei Learnings aus der Masterclass sind bei mir besonders hängen geblieben und haben meinen Blick auf Sexualität nachhaltig verändert.

1. Lust entsteht im Kontext

Viele von uns haben ziemlich konkrete Vorstellungen davon, wie Sex „sein sollte“: spontan, leidenschaftlich, möglichst häufig. Meist stammen diese Bilder aus Medien, Filmen oder gesellschaftlichen Erzählungen. Das Problem daran: Sie erzeugen unrealistische Erwartungen an uns selbst oder an unser Gegenüber. Viel hilfreicher ist es, sich zu fragen: Wie möchte ich eigentlich Sex erleben?

Denn eines wurde in der Masterclass besonders deutlich, Lust entsteht immer im Kontext. Körperliche Erregung bedeutet nicht automatisch, dass Lust da ist. Ein Geschlechtsteil kann körperlich erregt sein, ohne dass ich dabei Lust empfinde. Guter Sex ist deshalb besonders eines – lustvoll.

Für meine Lust bin ich selbst verantwortlich. Hilfreich ist es, sich hier bewusst zu fragen:

  • • Was bereitet mir Lust?
  • • Was turnt mich an?
  • • Und wie kommuniziere ich das?

Die Libido ist extrem individuell. Anders als Hunger wird sie nicht automatisch gesteuert, sondern ist stark beeinflusst von Psyche, Nervensystem und Lebens-umständen. Daher gilt Stress als einer der größten Lust-Killer, aber auch Ernährung, hormonelle Veränderungen oder Krankheiten können unser Verlangen beeinflussen.

Das beruhigende Fazit: Lust ist kein fixer Zustand, sondern ein Prozess, der sich über das ganze Leben entwickelt und den wir selbst gestalten können.

2. Gespräche über Sex von Anfang an kultivieren

Dieses Learning klingt zunächst einfach, ist in der Praxis aber gar nicht so leicht: Über Sex sprechen und zwar direkt von Beginn einer Beziehung. In neuen Partner-*innenschaften ist es wichtig, früh offen über Lust, Wünsche, Grenzen und Bedürfnisse zu sprechen. So werden Hürden abgebaut und Gespräche über Sex ganz selbst-verständlich Teil der Beziehung.

Drei Faktoren sind dabei entscheidend:

  • • Timing
  • • Tonfall
  • • Ort

Ein Gespräch über Sex sollte nicht zwischen Tür und Angel stattfinden. Nehmt euch bewusst Zeit und Raum. Interessanterweise empfiehlt Cleo, solche Gespräche nicht im Schlafzimmer zu führen, da dieser Raum oft emotional aufgeladen ist und schnell Druck erzeugen kann. Ein neutraler Ort, zum Beispiel beim Spaziergang, beim Kaffee oder auf der Couch, funktioniert hier deutlich besser.


Auch der Einstieg ins Gespräch macht den Unterschied. Statt sofort Kritik oder Wünsche zu äußern, kann es helfen, mit positivem Feedback zu starten:

  • • Was gefällt mir bisher?
  • • Was empfinde ich als schön?

Auf dieser Basis entsteht ein sicherer Rahmen, um anschließend über eigene Bedürfnisse oder auch mögliche Veränderungen zu sprechen. So wird aus anfänglicher Unsicherheit kein Tabu, sondern offene Kommunikation, die Lust und Nähe nachhaltig fördert.

3. Gerade in langjährigen Beziehungen darf Sex geplant sein

Der dritte Insight stellt einen der größten Mythen rund um Sexualität infrage: Guter Sex muss nicht spontan sein. Gerade in langjährigen Beziehungen kann es helfen, sich bewusst Zeit für Intimität zu nehmen, indem man sich aktiv zum Sex zu verabredet. Die Empfehlung aus der Masterclass ist es hier einen großzügigen Zeitrahmen einzuplanen und das Ganze mit einem Gespräch zu beginnen.

Dabei können Fragen helfen wie:

  • • Welche Intention habe ich heute?
  • • Welche Wünsche oder Fantasien bringe ich mit?
  • • Wo liegen heute meine Grenzen?
  • • Was brauche ich danach als Form von Aftercare?

Um festgefahrene Strukturen und Routinen weiter aufzubrechen, kann es außerdem hilfreich sein, die Dynamik der Beziehung zu reflektieren:

  • • Wie sieht unsere sexuelle Dynamik aus?
  • • Wer initiiert eher Sex, wer reagiert eher?
  • • Welche Rollen haben sich über die Zeit eingeschlichen und verfestigt?
  • • Wann habe ich Lust besonders intensiv erlebt? In Momenten großer emotionaler Nähe oder vielleicht sogar dann, wenn etwas Abstand da war?

Ein weiterer Punkt, der in Beziehungen oft unterschätzt wird, ist die Masturbation. Sie ermöglicht es, die eigene Lust besser zu verstehen und herauszufinden, was sich wirklich gut anfühlt.

Letzte Gedanken

Lust passiert nicht einfach so. Sie entsteht, wenn wir ihr Raum geben, miteinander sprechen und neugierig bleiben. Cleo King hat es treffend zusammengefasst: Mit der Libido ist es ein bisschen wie mit dem Gang ins Fitnessstudio. Je regelmäßiger man sich darauf einlässt, desto leichter fällt es, dranzubleiben und von der Routine zu profitieren. Wer die Lust gezielt anregt und regelmäßig Sexualität lebt, entwickelt im Laufe der Zeit mehr Lust – sowohl für sich selbst als auch gemeinsam mit dem Partner oder der Partnerin.

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